Jurassic World – Klassische, sommerliche Dinoaction

Mit "Jurassic World" kommt nach 10 Jahren Development Hell endlich der vierte Teil der Dinosaurier-Filmreihe heraus. Hat sich das Warten gelohnt?

Jurassic World1993 startete Steven Spielberg mit Jurassic Park  eine Revolution im Genre der Abenteuerfilme – Hochspannung vermischt mit komplett neuen Effekten und Animatronics ergaben einen der beliebtesten und wegweisendsten Filme der Neunziger Jahre, der bis heute sowohl jung als auch alt erfreut. Ich kann mich erinnern, den Film mit sechs Jahren gesehen zu haben und habe mein erstes Mal noch gut in Erinnerung: unser einziger Amerikaurlaub, ein neuer Film mit Dinosauriern, von dem in Österreich noch niemand gehört hatte, lief dort schon in den Kinos. Nicht an der Anniversary Edition von Walt Disneys Snow White and the Seven Dwarves  interessiert, in den meine amerikanischen Cousins gingen, kam ich mit, um Jurassic Park  zu schauen. And boy, did I get what I bargained for. Ja, der Film war für mein damaliges Alter definitiv nichts. Ich hatte mich einfach nur schrecklich gefürchtet und das nicht nur, weil im Film die ganze Zeit alle Englisch sprachen. Bei dem nun mehr als 20 Jahre später erscheinenden Jurassic World  musste ich an diese Erfahrung auch noch einmal denken.

Hello Indominus Rex, Nice To Meet You

Jurassic World  ist sehr unterhaltsam, bleibt durchgehend spannend und hat auch die eine oder andere unheimliche Szene, für die das Franchise bekannt ist. Er schließt als Sequel sehr gut ab und dies um Klassen besser als die vorherigen zwei Fortsetzungen. Die Charaktere sind ähnliche Archetypen wie die Figuren in Teil 1, die Stimmung wechselt zwischen Forschergeist und Fortschrittswarnung und es kommen viele, viele, gefährliche Dinos vor. Jurassic World  macht die Dinge richtig, die auch schon in Jurassic Park  gut funktionierten, aber dabei macht er auch nicht viel mehr. Was nicht unbedingt etwas schlechtes sein muss, Innovation kann man bei Colin Trevorrows Film allerdings nicht erwarten. 1993 war ein solcher Film eben noch etwas besonderes, heutzutage, wo jeder Film schon riesige, echte CGI-Monster hat, einer von vielen. Trotzdem hat der Film aller Merkmale eine guten Sommerblockbusters. Jurassic World  macht einfach Spass, was auch das Hauptziel dieses Film ist und dies erreicht er locker.

Mit Starbesetzung in den Dinopark

Mit Chris Pratt, Vincent D’Onofrio, Bryce Dallas Howard, Irrfan Khan, Omar Sy und BD Wong hat man auch einen internationalen Cast, der sich sehen lassen kann, in den Dinos aber trotzdem irgendwie untergeht. Die Rollen sind nicht besonders interessant und man fragt sich teilweise, warum man A-List Stars engagiert, damit sie alle grade mal „Oh my god, it’s a big dinosaur“ sagen können. Im Vordergrund stehen bei Jurassic World  nämlich, wie sollte es auch anders sein, die Dinosaurier, die diesmal vollkommen aus dem Computer kommen und dadurch zwar realistisch aussehen, aber den Charme der Animatronics des ersten Films verlieren. Die Dinoaction ist trotzdem rasant und gut inszeniert, es fehlt aber ein bisschen das Herz, das in Jurassic Park  steckte. Auch die Musik, die diesmal nicht von John Williams, sondern von Lost  und Up  Komponist Michael Giacchino stammt, illustriert die Handlung bloß, bleibt aber nicht wirklich hängen. Dies ist schade, da ich von Giacchino eigentlich hohe Qualität erwarte und er mich mit seinen letzten zwei Kompositionen Jupiter Ascending  und Tomorrowland  auch eher kalt gelassen hat, da bleibt es nur zu hoffen, das dies bei dem amerikanischen Komponisten kein Trend wird.

Let’s jump the Mosasaurus

Jurassic World  verzeiht man dies und auch die großen Logiklöcher, denn der Film versteht es, das Publikum durchgehend zu unterhalten und die Spannung hoch zu halten, wenn auch der finale Kampf an Übertriebenheit kaum noch zu toppen ist (Ich persönlich bin dafür, nach diesem Film den Satz „To jump the Mosasaurus“ im Volksmund zu etablieren). Egal, denkt man sich und lacht, während man überlegt, welchen Ride man selber besuchen würde, sollte man einmal selbst Urlaub auf der Isla Nublar machen. Eines ist auf jeden Fall klar: ich hätte mich bei Jurassic World als Kind genau so gefürchtet wie beim ersten Teil. Somit ist dies auch einer der wenigen Anlässe, bei denen ich mit der Altersfreigabe ab 12 mit der FSK übereinstimme. Allen Kindern und Junggebliebenen über 12 wünsche ich gute Unterhaltung!

Jurassic World
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly
Cast: Chris Pratt, Bryce Dallace Howard, Vincent D’Onofrio
Verleih: Universal Pictures

 

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