Vaiana – Hochgefühl auf hoher See

 

Es ist Weihnachten und damit Zeit für eine der wichtigsten Traditionen – Nein, damit sind natürlich nicht die überteuerten Christkindlmärkte gemeint, auch nicht Punsch und auch nicht von Kerzen und Keksen, sondern dem Disneyfilm zur Weihnachtszeit. Nachdem die Walt Disney Studios einige Jahre die Premiere der Filme nicht mehr um diese Zeit ansetzte, wurde nun Vaiana (OT: Moana), zumindest am europäischen Markt für die kalte Jahreszeit angesetzt. Vielleicht liegt das auch daran, dass deren neuester Streich eine Art Rückbesinnung auf klassische Elemente der Zeichentrickära zurückgreift – und damit voll ins Schwarze trifft.

Die Geschichte ist voll von Abenteuer und Entdeckergeist, Emotion und Musik. Dieses Gefühl, dass die Filme der Disney Renaissance in den Neunziger Jahren auch hatte, kommt in Vaiana wieder zurück und somit hat man einen Film, der sich auch wie eine Reise anfühlt. Er ist voll vom Gefühl, zu neuen Welten aufzubrechen und über die von der Gesellschaft selbst auferlegten Grenzen zu gehen. Die Insulanerin Vaiana und der Halbgott Maui sind ein perfektes Gespann für diese Geschichte und ihre beiden starken Persönlichkeiten sind richtiggehend greifbar. Die Charaktere machen nämlich nicht nur eine abenteuerliche, sondern auch eine emotionale Reise mit, die endlich einmal ohne eine Liebesgeschichte auskommt und genauso gut funktioniert wie jeder andere Disneyfilm, der dies zusätzlich beinhaltet. Die Charaktere sind liebenswert und authentisch, menschlich und witzig zugleich und die Filmemacher haben die perfekte Balance zwischen diesen Dingen gefunden. Besonders Vaianas Großmutter hinterlässt trotz ihrer eher kurzen direkten Präsenz einen bleibenden Eindruck.

Die beste Charakterzeichnung in einem Drehbuch steht und fällt natürlich mit den Darstellern, bzw. Sprechern in diesem Fall. Beim Casting ist man auf den Neuzugang Auli’i Cravalho für die Titelrolle gestoßen und hat einen glatten Glückstreffer erwischt, nicht nur kann Cravalho ihrer Figur die stimmliche Authentizität verleihen, die die Figur verlangt, sondern sie kann auch ausgezeichnet singen. Dasselbe gilt ebenfalls für Dwayne Johnson, der sowohl die prahlerische, als auch die zerbrechliche Seite von Maui zum Vorschein bringt und wider erwartend auch in Sachen Gesang mehr als überzeugend ist. Rachel House als Granma Tala ist herzerweichend, ebenso wie Jermaine Clement als gierige Riesenkrabbe Tamatoa die Lachmuskeln strapaziert. Den berühmten Frank Welker ersetzt diesmal Alan Tudyk als Heihei, den laut Regisseur Don Clements „dümmsten Charakter in der Geschichte der Disney-Animationen“ und ist sehr, wie soll man sagen, glaubhaft als holzköpfiger Hahn.

An die Tradition großer Disneymusicals kann Vaiana auch nahtlos anschließen und für die großartigen Songs zeigen sich diesmal Lin-Manuel Miranda, Opetaia Foa‘i und Mark Mancina verantwortlich. Songs und Score sind stark von polynesischer Musik beeinflusst und haben dadurch den exotischen Charakter, der notwendig ist, aber ohne in Klischees zu verfallen oder zu wie Exotica zu klingen. Einprägsam und originell, mit einem emotionalen Bogen, genau so wie man es von einem Disneyfilm erwartet, aber doch wieder mit einem neuen Twist. Insbesondere die Songs How Far I‘ll Go und We Know The Way werden noch lange im Gedächtnis bleiben und können sich gleich ohne Nachdenken neben die großen Song-Klassiker stellen, denen sie in nichts nachstehen. Eine Oscar-Nominierung halte ich schon mal für fix.

Die Animationen sind, wie sollte man es auch von Disney anders erwarten, großartig, detailreich, wunderschön und frisch. Polynesien mit seiner atemberaubender Natur und faszinierenden, endemischen Mythen als Dreh- und Angelpunkt zu verwenden war eine hervorragende Idee, die man an keinem Punkt bereut, sowohl als Kritiker als auch als alter Disneyfan.

Moana (Vaiana)
Regie: Don Clements, John Musker
Drehbuch: Jared Bush
Cast: Auli’i Cravalho, Dwayne Johnson, Rachel House, Alan Tudyk
Länge: 103 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 22. Dezember 2016

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