In Memoriam: Carrie Fisher


Wir hatten gehofft und so sehr an die Macht geglaubt – dann erhielt die Welt am 27. Dezember 2016 die traurige Nachricht, dass Carrie Fisher die Folgen ihrer Herzattacke nicht überlebt hatte. Wir gedenken einer großartigen Schauspielerin, einer grundehrlichen und brillianten Frau.

Als Tochter von Sänger Eddie Fisher und Schauspielerin Debbie Reynolds, geboren 1956, wuchs sie in einem besonders kreativen Nest auf. Ihr wurde das Talent, Menschen zu verzaubern, bereits in die Wiege gelegt – und so auch den (Halb-)Geschwistern Todd, Joely und Leigh. Nach Abschluss der Londoner „Central School of Speech and Drama“ mimte Fisher die Rolle der Lorna in Shampoo (1975), neben Waren Beatty, Goldie Hawn und Julie Christie.

Doch dann, 1977, mit nicht mal 20 Jahren, ist die unvergessliche Carrie Fisher auf der Leinwand erschienen und sollte unser Prinzessinnen-Bild für immer prägen. Als Prinzessin Leia Organa von Alderaan, später Genereal Leia Organa Solo, war Fisher eine der starken Figuren im Star Wars-Universum, die ihren Bruder Luke auch dann tröstete, wenn ihr eigener Heimatplanet nicht mehr existent war. Ihre emotionale Stärke mit dem dennoch recht großen Sturkopf, die große Klappe gepaart mit ihrem kühlen Kopf und großem Verstand mit einer ordentlichen Prise Humor machten Prinzessin Leia zu einer mutigen Führungsfigur der Rebellen, die gerne die Initiative ergiff. Doch zeigte uns Leia auch, dass man Herz haben durfte – unvergesslich wird immer ihre neckische Beziehung zu Han Solo bleiben.

Leia hätte in Episode IX (2019) eine weitaus größere und bedeutendere Rolle bekommen sollen, Szenen für Episode VIII (2017) seien nun alle abgedreht worden. Ihre Rolle wird nun also gezwungener Maßen umgeschrieben – was genau das heißt, ist noch nicht klar, sicher ist jedoch, dass ihr letzter Leinwand-Auftritt kommendes Jahr viele Tränen mit sich bringen wird.

Fisher machte Leia erst zu der Figur, die wir heute kennen, und obwohl sie sich immer schützend hinter die Figur stellte, so äußerste sie dennoch Kritik an deren Darstellung. Dadurch wurde sie auch zum „script doctor“, weil sie dafür bekannt war, das Drehbuch so umzuändern, dass Leia glaubwürdiger und echter erschien, ein Bild einer solchen Skript-Seite wurde erst vor kurzem auf Twitter veröffentlicht. In den 90ern überarbeitete sie schließlich unter anderem auch die Skripten für Hook (1991), und Sister Act (1992). Nur selten erschien sie jedoch in den Credits – so war dies auch bei den Star Wars-Sequels der Fall. (Das ist wirklich okay, Carrie, du hättest da auch all deine Wunder einsetzen müssen, um die noch zu retten.)

Im Sternenlicht und dem Druck der Star Wars-Saga stehend, blieb Carrie Fisher nicht stumm, wenn es darum ging, Sexismus in der Filmbranche anzusprechen und verteidigte sich und die Figur, wenn sie als „space bitch“ bezeichnet wurde. Sie sprach pay-gaps und die Oberflächlichkeit des Aussehens an. Sie weihte uns in Set-Erlebnisse ein und erzählte, dass George Lucas ihr erklärte (oder besser: „mansplained“), dass sie im Weltall unter ihrem luftigen Kleid keinen BH tragen könne, frau würde durch die Ausdehnung in der Schwerelosigkeit der Gefahr unterliegen, vom jeweiligen erwürgt zu werden. Erst Ende November 2016 sprach sie in der Late Show mit Stephen Colbert über ihr Buch The Princess Diarist und wie viel Gewicht sie verlieren musste, um dem Körper der perfekten Prinzessin zu entsprechen (und dass Leia ebenso ein Lichtschwert verdient hätte).

Abgesehen von ihren Leistungen als Schauspielerin und Film-Retterin war Carrie Fisher jedoch auch ein Sprachrohr für mentale Gesundheit. Öffentlich sprach Fisher über ihre bipolare Störung und die damit einhergehende Gefahr von Abhängigkeit, in autobiographischen Büchern wie Wishful Drinking (2008) sprach sich die Frau mit ihrer ganz schnippisch-humorvollen Art über die Schattenseiten des Sternenglanzes:

“One of the things that baffles me (and there are quite a few) is how there can be so much lingering stigma with regards to mental illness, specifically bipolar disorder. In my opinion, living with manic depression takes a tremendous amount of balls. Not unlike a tour of Afghanistan (though the bombs and bullets, in this case, come from the inside). At times, being bipolar can be an all-consuming challenge, requiring a lot of stamina and even more courage, so if you’re living with this illness and functioning at all, it’s something to be proud of, not ashamed of. They should issue medals along with the steady stream of medication.”

 

Wir verlieren mit Carrie Fisher nicht nur eine Schauspielerin, eine Autorin, ein Vorbild, wir verlieren ihre Ehrlichkeit und ihre Schlagfertigkeit. Wir verneigen uns Carrie Fisher – May the Force be with you, always.

“I tell my younger friends that no matter how I go, I want it reported that I drowned in moonlight, strangled by my own bra.”


Titelfoto: Wikimedia Commons (c) Riccardo Ghilardi
Gallerie: Flickr (c) Tom Simpson

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