Flaked – He’s made a huge mistake

Flaked
Flaked

Will Arnett und Netflix – ist es Liebe? Sie wurden schon mehrfach zusammen gesichtet und scheinen sich gut zu verstehen. Der Mensch, der so wundervoll BoJack seine Stimme leiht veröffentlichte kürzlich die als „Dramedy“ betitelte Serie Flaked. Arnett, Drehbuchautor/Produzent/Hauptdarsteller, spielt Chip, einen Typen in Venice Beach, den das Leben ziemlich hasst. Dramedy – so ein Bullshit!

Er hat wohl einen Fable für richtig fertige Typen, der Will Arnett (Arrested Developement, BoJack Horseman, Flaked). Seine Figuren sind zwar immer liebenswert, handeln aber einfach ungut – für sich und andere. Mit Chip macht er da keine Ausnahme. Im sonnigen Kalifornien startet er als trockener Alkoholiker, der im Suff einen Mann überfahren hat, einen Neuanfang. Er hat sich nicht nur ein Stuhl-Geschäft aufgebaut und wurde zum AA-Vorzeige-Rehabiliteur, sondern hat eine intensive, fast schon ehe-ähnliche Freundschaft mit Dennis aufgebaut, mit dem er zusammenlebt. Klingt super idyllisch, aber natürlich beginnt über die 8 Folgen hinweg alles komplett aus dem Ruder zu laufen.

Flaked thematisiert den Konflikt, den Sucht-Patienten mit sich und ihrem Umfeld haben. Chip muss immer wieder seinem Umfeld versichern, dass er wirklich nicht mehr trinkt. Dabei muss er sich mit seiner Ex-Frau herumschlagen, von der er sich nicht scheiden lassen will und ihrem Vater, dem Chips Laden gehört und der diesen gerne für vier Millionen Dollar an Großkonzerne verkaufen möchte. Und dann kommt London. London ist eine Frau, die irgendwie magisch auf Chip wirkt – und auf Dennis. Und da haben wir schon unser Drama. Denn so sehr Chip versucht, die Finger von ihr zu lassen, desto näher scheinen sie sich zu kommen und die Freundschaft mit Dennis leidet darunter immens.

Wenn man jetzt glaubt, es ginge hier um eine klischeehafte Dreiecksbeziehung, dann liegt man falsch. Es geht darum, wie viel Scheiße eigentlich passieren kann, bevor man am Abgrund angekommen ist und wie viel davon die eigene Schuld ist. Und ob man überhaupt etwas lösen kann, indem man den richtigen Leuten vertraut, die richtigen Entscheidungen trifft, zuverlässig ist und verdammt noch mal das Richtige sagt. Wäre schön, wenn wir immer das Richtige tun würden, oder? Flaked – allen voran Chip- zeigt, was passiert, wenn man einfach alles falsch macht. 8 Folgen später weiß man dann, dass er eigentlich ein ganz schönes Arschloch ist. Oder doch nicht? Ich kann mich nicht entscheiden. Ein bisschen von allem, wie im echten Leben.

Der fantastische, perfekt ausgewählte Soundtrack trägt die melancholische Grundstimmung der Serie perfekt (Junip, Hinds, Local Natives, Kurt Vile… ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal mit Shazam im Anschlag eine Serie geschaut und parallel eine Playlist erstellt habe). Schon lange sieht man eben nicht mehr nur schönen Menschen beim schön und glücklich sein zu, sondern eben kaputten Leuten beim Versagen und Unglücklich sein. Flaked katapultiert sein Publikum direkt in ein Loch aus Unwohlsein und Nachdenklichkeit – ohne, dass das negativ ist. Die Serie ist ehrlich, die Schauspieler, allen voran Arnett, übertreffen sich, die Bilder sind nicht nur schön, sondern eindrücklich (Props an das Kameradepartement) und rund um schafft es Flaked, unterhaltsam zu sein, trotz des vielen Trübsals. Aber Comedy? Bitch, please – das ist keine Comedy, es gibt hier nichts zu lachen. Es mag alles ein bisschen leichtfüßig aussehen, Figuren wie Cooler (Chip und Dennis Kiffer-Freund) sollen vermutlich so eine Art überzogenen Comic-Relief bilden, aber eigentlich ist es ein Drama – nur eben keine schwere Kost. Und das ist richtig gut so.

Flaked
Von: Will Arnett, Mark Chappell
Sender: Netflix
Cast: Will Arnett, David Sullivan, Ruth Kearney, George Basil

 

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