Dark Souls 3: Warum ich es liebe, zu sterben

Willkommen zurück, Untoter. Mit Dark Souls 3 hat From Software angeblich das Finale der Reihe programmiert. (Bilder und Screenshots: NamcoBandai)
Willkommen zurück, Untoter. Mit Dark Souls 3 hat From Software angeblich das Finale der Reihe programmiert. (Bilder und Screenshots: NamcoBandai)

 

From Software ist Kult und Dark Souls der Heilige Gral des fiesen und doch glücklich machenden Rollenspiels. Aber worin liegt der Reiz des S/M-RPGs? Nach drei Teilen und einem Ausflug ins Horror-Genre haben wir vielleicht endlich eine Ahnung.

Der Initiationsritus in jedem Souls-Spiel geht so: Hinter dem Nebel der Furcht wartet ein unendlich großer und unendlich bösartiger Boss, der direkt den Alpträumen der Designer entsprungen zu sein scheint. Durch pures Glück oder tatsächlich durch geschickte Strategie geht dieser Boss schon beim ersten, zweiten oder dritten Mal zu Boden und nicht erst wie gewohnt, beim 20. oder 30. Mal. Der Boss fällt, die Seelen wandern zum Charakter und für einen süßen Moment fühlt sich der Spieler unbesiegbar. Voller Mut und Tatendrang stürmt er ins nächste Level – um dort promt von einem dahergelaufenen Untoten zu Hackfleisch verarbeitet zu werden.

Adrenalin und zittrige Hände

Dark Souls ist eines dieser Phänomene, das man wohl nur dann richtig versteht, wenn man es selbst erlebt hat. Keine Beschreibung, kein Let´s Play, kein Youtube-Kommentar hilft, am eigenen Leib zu erfahren, wie es ist, wenn das Adrenalin die zittrigen Hände beim Bosskampf packt, sich ein frustrierter Schrei aus dem Hals seinen Weg in die Befreiung sucht, wenn die Schatztruhe vor dem Charakter doch nur ein heldenfressender Mimic ist und am Ende doch das pure Endorphin durch die Adern schwelgt, wenn endlich wieder ein weitere monströse Existenz ins Gras gebissen hat. Das schöne ist, Dark Souls III macht es Neueinsteigern leicht, diese Erfahrungen zu machen. Denn From Software hat sich im neuesten Teil alles Richtige von Dark Souls Horror-Cousin Bloodborne abgeschaut. Die Kämpfe sind einen entscheidenden Ticken schneller als in den Vorgängern, die Gegner aggressiver und das ganze Spiel flüssiger. Ganz klar, im Vergleich zu dem pfeilschnellen Jäger aus Bloodborne ist der untote Held in Dark Souls III immer noch eine Schnecke, aber mittlerweile zumindest eine mit Rennantrieb. Macht das das Spiel einfacher? Hahahaha – nein. Eher im Gegenteil.

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Dark Souls III ist eine ausgemergelte Bestie, die den Spieler bei jeder Gelegenheit anspringt. War in Dark Souls die Welt am Ende aber cool damit und die in Dark Souls II vielleicht sogar mit einem kleinen Hoffnungsschimmer ausgestattet, ist in Teil 3 klar, die Apokalypse hat schon längst ihre Stunde gehabt und die einzigen, die es noch nicht wirklich kapiert haben, sind die Endgegner, die der Spielercharakter ihrer Bestimmung zuführen muss. Die ist übrigens, Zunder zu sein, damit die Flamme, um die es schon seit Teil 1 geht, ein wenig weiterbrennen kann. Dabei wäre es doch so viel schöner, in der Vergangenheit zu leben – das machen einige der Bosse übrigens im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man die vielen Anspielungen auf Dark Souls I genauer betrachtet. Klar, dass die keinen Spaß verstehen, wenn auf einmal ein Untoter mit gezogenem Schwert vor ihnen steht. Spannend dabei ist, dass From Software beim mittlerweile fünften Souls-Spiel (Bloodborne und Demons Souls eingeschlossen) ihre Formel so perfektioniert haben, dass der Spieler die Mechanismen sehen kann, die ihre Spiele antreiben – und die sind eines der wohl spannendsten Täuschungsmanöver, die es im Spielebetrieb zurzeit gibt. Dark Souls III lügt den Spieler nämlich von hinten bis vorne an.

Geduld und Cleverness

Klar, die Welt ist apokalyptisch, die Gegner monströs schwer und die Level fiese Labyrinthe. Heißt das aber, dass Dark Souls III automatisch frustrierend ist und nur für Profispieler? Exakt das Gegenteil ist der Fall. Noch mehr als in den Vorgängern hat jeder Spieler eine faire Chance bei Dark Souls III, solang er clever ist und sich nicht zu schade, vermeintliche Schwächen auszunutzen. Jeder Gegner hat eine Schwachstelle, die er irgendwann offenbart und jedes Level lässt sich durchqueren, wenn man vorsichtig genug ist. Dark Souls hat schon immer Geduld und Hartnäckigkeit belohnt – Dark Souls III ist da keine Ausnahme. Und das ist wohl auch die Philosophie, die Chefdesigner Miyazaki dem Spieler mitgeben will. Denn wer ist es, der am Ende in einer Welt voll Hoffnungslosigkeit triumphiert? Der Spieler, der nicht aufgibt, sondern immer weiter mit dem Kopf gegen jede Wand rennt, bis diese pulverisiert ist. Hat man diesen Umstand verstanden, ist auch das Initiationsritual nicht mehr so schlimm. Denn was der erste Gegner nach dem besiegten Endboss macht, ist nichts anderes, als den Spieler wieder auf den Boden zu holen – und ihm zu zeigen, dass er vielleicht noch ein bisschen mehr Geduld aufbringen muss.

Dark Souls 3
Plattformen: Playstation 4, XboxOne, PC
Entwickler: From Software
Publisher: NamcoBandai
Erschienen am: 12. April

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