Blockbuster – Das Leben ist ein Film

Dieser Indie-Film über das Schaffen eines Filmes von Jungregisseur Vlado Priborsky läuft derzeit in ausgewählten Kinos und wir sagen euch, was euch erwartet.
Blockbuster; Das Leben ist ein Film; Vlado Priborsky;
Blockbuster; Das Leben ist ein Film; Vlado Priborsky;

Dieser Indie-Film über das Schaffen eines Filmes von Jungregisseur Vlado Priborsky läuft derzeit in ausgewählten Kinos. Viele bekannte Österreicher haben sich bereit erklärt, gratis mitzumachen und sind in sketchartigen Szenen zu sehen. Die Erlöse gehen ganzheitlich an das St. Anna Kinderspittal zur Kinderkrebsforschung. Allein deswegen sollte man den Film sehen. Wir sagen euch, was euch erwartet.

Life isn’t divided into genres. It’s a horrifying, romantic, tragic, comical, science-fiction cowboy detective novel. You know, with a bit of pornography if you’re lucky.“ – Alan Moore

Dieses Zitat scheint sich Jungregisseur Vlado Priborsky zu Herzen genommen haben, als er an der Arbeit seines ersten Spielfilmes, Blockbuster – Das Leben ist ein Film, begonnen hatte. Im Film verarbeitet er seine eigene dramatische Lebensgeschichte: Er macht einen Film darüber, wie er dazu kam, seinen ersten Spielfilm zu machen. Bei soviel Meta muss man zwangsläufig an Inception denken, aber vielleicht erstmal von Anfang an: Vlado (gespielt von Wolfgang Rau ) hat in seiner Kindheit zwar Filme gemacht, das jedoch nie weiter verfolgt. Nach einer Begegnung mit Harald Sicheritz jedoch beschießt er, seinen geheimen Traum, seinen Namen einmal auf der großen Leinwand zu sehen, in die Tat umzusetzen. Zunächst aber muss er sich einer drastischen Krebserkrankung stellen. Ebenso wird ihm schnell klargemacht, dass er als Laie noch viel über das Filmemachen lernen muss und sollte. Als die Anfangshürden überwunden sind, muss sich Vlado auch schon dem nächsten Schicksalsschlag, der Frühgeburt und folglich dem Tod seines Sohnes, stellen. Viele weitere Kurzfilme und Schicksalsschläge erwarten den Jungregisseur, bis er sich schließlich dazu aufmacht, einen Spielfilm zu machen. Welches Genre soll der haben? Nun, alle.

Mockbuster

Zunächst einmal muss dem Filmemacher großen Respekt gezollt werden, dass er es nicht nur geschafft hat, diesen Spielfilm mit diversen Gastauftritten verschiedener österreichischer Stars herzustellen und in die Kinos zu bringen, sondern, dass er auch diverse Schicksalsschläge überwunden hat und sich sogar traut, diese im Film mit einzubauen. Der Film erzählt sowohl die Lebensgeschichte von Priborsky, als auch dessen Versuche, Kurzfilme zu machen. Die Filme selbst sind dann ausschnittsweise im Film selbst zu sehen. Dadurch entsteht aber auch eine starke tonale Differenz, denn der Film springt heftig zwischen Drama und Komödie hin und her. Dadurch ist er schwer zu fassen, und ist thematisch einfach „all over the place“. Das wäre an sich auch nicht weiter schlimm und könnte für eine interessante Differenz sorgen, nur leider sind die komödiantischen und dramatischen Segmente meist nicht auf dem bestmöglichen Niveau. Das liegt hauptsächlich daran, dass außer Protagonist Priborsky selbst die meisten Figuren zu wenig ausgearbeitet sind oder nur zu sporadisch auftauchen. Eine Mentoren-Figur im Film sagt: „Man erzählt eine Geschichte die einen bewegt. Bringt die Leute zum Lachen oder zum Weinen und vielleicht zum Nachdenken„. Zum Lachen bringt der Film einen schon, zum Weinen nicht so sehr.

Alexander_Pschill_und_Sabrina_Reiter copyright: presskit.to/blockbuster
Alexander Pschill und Sabrina Reiter

Filmemachen für Anfänger

Sehr viel wurde improvisiert und ohne große Planung gedreht und viele Szenen funktionieren als einzelne Segmente (vor allem die Sequenz mit den Stars Sabrina Reiter, Reinhard Nowak, Serge Falk und Thomas Stipsitz), im großen Zusammenspiel des Films wiederum merkt man, dass die einzelnen Teile strukturell nur bedingt zusammenpassen. Schauspielerisch ist der Film ganz in Ordnung, vor allem Rau fällt positiv auf. Alexander Pschill, der anders als die meisten anderen Stars nicht sich selbst, sondern den Drehbuchautor und Co-Produzenten Mario Koller spielt, macht eine gute Figur. Dem Film muss man auf jeden Fall zu Gute halten, dass er Leuten einen kleinen Einblick in die Indie-Filmszene in Österreich gibt. Und ja, teilweise ist es wirklich so!

Diese Stellen sind nicht nur wegen ihres Bezugs zu Stummfilmkomödien lustig, sondern auch, wenn man die Arbeitsprozesse oder diverse Kleindarsteller (Thomas Nash, Alexander Fennon) teilweise kennt. Positiv anzumerken sind ebenfalls die Meta-Szenen, in denen die vierte Wand (die unsichtbare Barriere zwischen Geschehnis im Film und Publikum) durchbrochen wird. So überlegen sich die Figuren, wie sie die Schauspielerin Katharina Strasser für den Film gewinnen könnten, während diese als Kellnerin derweil die Speisekarte bringt. Diese Szenen funktionieren eigentlich immer, tauchen nur leider viel zu selten auf. Viel im Film wurde improvisiert, das Drehbuch wurde verfasst und bearbeitet, je nachdem ob und wer zusagt. Doch während die gerade erwähnte Strasser-Szene aber wunderbar in die Handlung passt, wirkt der Cameo eines blondierten Manuel Rubey etwas fehl am Platz.

Blockbuster Filmplakat copyright: presskit.to/blockbuster
Blockbuster Filmplakat
copyright: presskit.to/blockbuster

Verdikt: I made an indie-mockbuster, and all I got was a t-shirt

Die österreichische Filmszene ist ein hartes Pflaster, schon bei professionellen Produktionen und noch mehr in der Independent-Szene. Von daher ist es Priborsky hoch anzurechnen, dass er viel Fleiß, Schweiß und Lebenszeit in dieses Projekt gesteckt und es nicht nur fertig, sondern auch in die Kinos bekommen hat. Blockbuster – Das Leben ist ein Film ist eindeutig ein hoch ambitionierter und auch unkonventioneller Spielfilm, der in seiner Unterhaltsamkeit funktioniert. Leider hat er große strukturelle Schwächen, einen zu lockeren Focus bezüglich Handlung und Ziel und auch der Schwankungsgrad zwischen Komödie und Drama ist teilweise zu hoch. Freunde und Fans der österreichischen und/oder unkonventionellen Filmszene werden auf jeden Fall ihre Freude daran haben, für mehr hat es leider nicht gereicht.

Blockbuster- Das Leben ist ein Film
A, 2015, R: Vlado Priborsky,
Biographie/Komödie/Drama
Independent Works, Auzinger-PR
L: 107 min
ET: 3.7.2015
USK: 12

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