Batman: The Killing Joke – Ein schlechter Scherz?

Quelle: http://www.dccomics.com/graphic-novels/batman-the-killing-joke-new-printing
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Warner Bros Animation bringt den zweiten, ebenso sehnsüchtig erwarteten Batman-Film im Jahr 2016 heraus: Eine Verfilmung des Kultcomics von Alan Moore und Brian Bolland, Bitte Lächeln (OT: The Killing Joke). Der Film vereint den altbekannten Voice-Cast aus der Batman-Zeichentrickserie der 90er Jahre, und wurde von Sam Liu (Regie) und Brian Azzarello (Drehbuch, bekannt aus Comics wie Joker oder Lex Luthor – Man of Steel) inszeniert. SPOILERWARNUNG für einen fast 30 Jahre alten Comic.

„Da sind diese beiden Typen im Irrenhaus…“

Kurz nachdem Barbara Gordon (Tara Strong) den Mantel als Batgirl an den Nagel gehängt hat, hat Batman (Kevin Conroy) alle Hände voll zu tun: Der Joker (Mark Hamill) ist aus Arkham entflohen. Während sich der Mitternachtsdetektiv fieberhaft auf die Suche nach dem Clownprinzen des Verbrechens macht, bereitet dieser seinen Meisterplan vor: Er überfällt die Gordons, schießt auf Barbara, und entführt ihren Vater. All das, um ein Exempel zu statuieren. Ein Beweis, dass jeder das Potenzial hat, verrückt zu werden, sollte er nur weit genug getrieben werden…

Quelle: http://www.comicbookresources.com/article/new-killing-joke-images-spotlight-storys-controversial-scene
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Identitätskrise

Direkte Verfilmungen von Comics und anderen Geschichten sind immer etwas schwierig, vor allem, wenn sich das zu adaptierende Material solch einer großen Beliebtheit erfreut wie The Killing Joke. Dazu kommt auch die Tatsache, dass dieser Comic nicht die Dauer einer Spielfilmlänge ausnutzen würde. Darum musste der Film um einiges erweitert werden, und so wurde ein „Prolog“ dazu geschrieben, welcher aus Batgirls Sicht ihre schwierige Beziehung zu Batman, sowie ihren Abgang als Superheldin erzählt. Dieser Prolog hat aber dann doch eine beachtliche Länge, sodass die eigentliche Handlung erst nach einer halben Stunde des 76 minütigen Films beginnt.

Und hier wären wir beim ersten von mehreren Problemen des Filmes angelangt: Die beiden Narrative haben wirklich nichts miteinander zu tun. Der Joker kommt in der ersten Hälfte nichtmal namentlich vor! Und es gibt keinen Grund dafür, dass ihn Batman später in Arkham aufsucht!
Es ist anundfürsich eine gute Idee, Barbara Gordon alias Batgirl nochmal vor dem Attentat einzuführen, um zu zeigen, was ihr dadurch genommen wurde. Aber leider wird die Chance vertan, sie etwas prominenter in die Handlung von The Killing Joke einzubinden, bzw, die  beiden Handlungsstränge sinnvoll zu verbinden. So wirkt die Heldin mehr wie ein „Love Interest in Distress“, oder eine „Woman in the Refridgerator“. Und sie war auch nie die Protagonistin im Comic, darum wirkt der Paradigmenwechsel der Erzählperspektive nach der Hälfte des Filmes sehr holprig und gezwungen. Man wartet schon sehnsüchtig auf den Auftritt des Jokers, und die Kriminalgeschichte um den jungen, mysogenen Gangsterboss Paris Franz (Vorsicht: Pun) ist einfach sehr unnötig und fehl am Platz. Und außerdem auch schlecht geschrieben. (Shame on you, Azzarello!)
Dennoch bietet Batgirls Geschichte trotzdem noch Raum für Kontroverse wegen einer bestimmten Szene, welche die viele Leute empört, die ich aber sehr spannend, interessant und gut finde. Leider wird wie bereits erwähnt gar nichts damit gemacht, und somit dient sie nur weiter der Objektifizierung von Batgirl über die ganze Geschichte hinweg.

Quelle: http://www.comicbookresources.com/article/new-killing-joke-images-spotlight-storys-controversial-scene
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Ansonsten ist ein Großteil der zusätzlichen Szenen eigentlich in Ordnung. Es gibt mehr Szenen, die den Wahnsinn beleuchten, dem Gordon ausgesetzt wird, und ebenso eine Szene, welche etabliert, welchen Status Batman und Joker in Gothams Unterwelt haben. Und eine Musikeinlage! Das bereits erwähnte Problem mit diesen Szenen ist jedoch einfach, dass die Macher sich nicht getraut haben, die Geschichte so abzuändern, dass ihre Ideen gut darin einfließen konnten. Von daher fragt man sich mehr als einmal nach dem Sinn des Ganzen, nachdem die eigene Erwartungshaltung wiederholt enttäuscht wird. Btw, für alle, die Batman in Batman v Superman wegen seiner Tötungsphilosophie kritisieren: Batman tötet auch hier (wie auch in so ziemlich jedem anderen Live-Action-Film von ihm, btw).

Mark Hamill hatte eigentlich aufgehört, den Joker zu sprechen. Eine Rückkehr käme nur in Frage, wenn es für The Killing Joke sein sollte. Und sein Wunsch wurde hiermit erfüllt. Während des Schauens wird auch klar, warum Hamill so begeistert von dem Projekt war: Die Möglichkeit, den Joker als normalen Menschen zu spielen, ermöglicht es, neue Variationen in die Performance zu bringen. Leider fällt dieser Aspekt etwas hinter den Erwartungen zurück, als dass Hamill in beiden Rollen zwar eine gute Performance macht, man ihm den bürgerlichen Mann vor dem Joker aber nicht ganz abkauft. Der Rest des Casts ist ausgesprochen solide, vor allem Conroy und Strong, welche ebenso Freude hatten, in ihre alten Rollen zurückzukehren.

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Ein Farbenspiel der Panels

Ein Film, der sich eines der besten Batman-Comics aller Zeiten annimmt, muss auch einiges bieten, um annähernd dasselbe Kaliber zu haben. Das bezieht sich auch auf Zeichenstil, Kolorierung und Animation. Leider ist der Zeichenstil nur durchschnittlich, und hebt sich nicht von den restlichen DC-Animationsfilmen ab. Wobei er aber dennoch besser ist, als der Stil von Batman/Superman: Apocalypse (oder was auch immer der Stil der neuen DC-Zeichentrickserie Justice League: Action sein soll). Zudem hat sich der Film in Sachen Kolorierung leider eher an den Neuprint des Comics von 2010 gehalten, anstatt des grellen, ästhetisch eindrucksvolleren Stils des Originals. Dadurch geht zwar eine visuelle Ebene über den Geisteszustand von Batman und Joker während des Showdowns verloren (die eingesetzten Farben Grün und Purpur zeigen, dass sie sich während des Showdowns in der Welt des Jokers befinden, und Logik und Rationalität hier keine Rolle mehr spielen), dennoch wird versucht, diese Ebene anderwärtig wieder einzubauen, indem der Ort, an dem Batman und Joker sich bekriegen, wahrlich Kopf steht. Und dieser finale Kampf hat es in sich, und ist eines der wenigen Highlights des Filmes.

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Die Animation ist weitaus besser als es im Trailer der Fall, war. Nichtsdestotrotz wirkt es dennoch oft noch steif, ein wenig asynchron bei Dialogen, und gehuscht, zum Beispiel wenn Batman das Batmobil verlässt oder gegen die Schergen des Jokers kämpft. Hier merkt man einfach, dass der Film nie fürs Kino (es gab auch einen Kinorelease!) gedacht war, und daher nur das Budget eines Direct-to-DVD-Filmes hat. Eine große Versäumnis von Seiten des Studios, dem Film ein größeres Budget zu spendieren.

Wodurch der Film weiters seiner Vorlage unterliegt, ist die Tatsache, dass sowohl jedweder Sinn für Symmetrie fehlt, welche durch Bollands Juxtaposition (= Aneinanderreihung) der Panels erzeugt wurde – zB beginnt und endet der Comic mit einer Detailaufnahme von Wasserkreisen – als auch Szenenübergange zu den Rückblenden zu Jokers möglicher Vergangenheit völlig verhaut wurden (und ich betone nochmal: Es ist nicht so, als wäre der Comic da kein gutes Vorbild gewesen: Die Szenenübergänge dort sind nahezu perfekt).
Der Film hingegen beginnt mit einem (Meta-)Monolog von Batgirl, dass dies wohl nicht der Anfang sei, den wir erwartet hätten. Recht hat sie. Aber zumindest für das Ende haben sich die Filmemacher eindeutig für die richtige Herangehensweise entschieden, und es hinterlässt als einziges einen positiv ambivalenten Eindruck.

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Fazit: The adaptation we got, but not the one we deserve

Meiner Meinung nach ist die beste Adaption von The Killing Joke nach wie vor Christopher Nolans The Dark Knight. Anstelle von Jim Gordon wählt der Joker Harvey Dent, und zeigt, dass jeder noch so „reine“ Held fallen kann.
Der The Killing Joke-Film hat zwar gute Elemente, und einen überzeugenden Cast. Dazu kommen ein paar feine (Film-)Referenzen auf frühere Inkarnationen des Jokers. Doch leider spielen die neuen Zusätze nicht mit der Storyline der Vorlage zusammen, und so türmen sich die vertanen Chancen auf. Dadurch ergibt sich auch ein gewisser Sexismus gegenüber Batgirl, der nicht wegzudiskutieren ist.
The Killing Joke ist nicht Fisch nicht Fleisch, sondern eine Adaption, bei der die Macher scheinbar einfach zu viel (und paradoxerweise zugleich auch zu wenig) Respekt vor dem Original hatten, um einen guten Film daraus zu machen.
Bei Möglichkeit unbedingt den weitaus besseren Comic lesen, anstatt sich diesen enttäuschenden Film anzutun.

Batman: The Killing Joke

Warner Bros Animation
R: Sam Liu
B: Brian Azzarello, nach dem gleichnamigen Comic von Alan Moore und Brian Bolland
C: Kevin Conroy, Mark Hamill, Tara Strog, Ray Wise
L: 76min
USK: 16
Erhältlich auf Blu-Ray und DVD seit 4.8.2016

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