SchwitziSchwitzi-Gamescom-Tagebuch #1

Im ersten Teil meines Gamescom-Tagebuchs spiele ich Mad Max, schaue mir Hellblade an und beichte meine Shooting Stars Sucht!

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das antue: Tausende von Menschen drängen sich schwitzend durch die schlecht klimatisierten Hallen der Kölnmesse, der Geräuschpegel ist unerträglich hoch und man hetzt eigentlich nur von einem Termin zum nächsten. Dann fällt es mir wieder ein: wegen schöner Spiele und schöner Menschen. Der erste Teil meines Gamescom-Tagebuchs!

Nachdem ich leider keine AutorInnen mitbringen durfte, habe ich eine Woche in Köln alleine bestreiten müssen. Deshalb kann ich mich jetzt auch kaum mehr bewegen – aber das liegt vermutlich auch an 15 Stunden Fahrt und einem kurzen morgentlichen Spurt, inklusive wildem Gestikulieren, als mir der Bus beinahe vor der Nase wegfuhr. Aber gesehen habe ich zumindest einiges mit Unterhaltungswert. Begonnen hat die Woche mit der GDC Europe, der kleinen Schwester der großen Entwicklerkonferenz in San Francisco. Dort habe ich auch mehr über Ninja Theorys Hellblade erfahren.

Creative Director Tameem Antoniades gab schon im vergangenen Jahr einige Einsichten zum „Independent AAA“ Titel Hellblade und wurde heuer noch konkreter: Der gedankliche Heavenly Swords-Nachfolger dreht sich um Psychosen wie Schizophrenie. Das Spiel versucht, die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Erkrankungen umzusetzen und erfahrbar zu machen, beispielsweise indem die Heldin von verschiedenen Stimmen begleitet wird, die ihr zureden, Anweisungen geben, auf sie einreden. Dabei arbeitete Ninja Theory nicht nur mit einem Psychologen, sondern auch mit Erkrankten zusammen. Das Projekt sieht definitiv super aus – wenn nicht der Fehler begangen wird, die Psychosen der Hauptfigur zu Effekten zu degradieren. Wer sich dafür interessiert, kann auf dem offiziellen Youtube-Kanal des Studios das Developement Diary verfolgen, in dem unter anderem die Entwicklung der Story erklärt wird.

Nach diesem ersten Blick auf ein spannendes Spiel konnte die Messe starten. Die Präsentation zu Uncharted 4 bot absolut keine Neuerungen. Die kurz nach der E3 veröffentlichte, verlängerte In-Game-Sequenz kannte ich als Fan der Reihe bereits bestens: Drake schießt, Drake rennt, Drake springt, Drake schwingt sich durch die Luft. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich auch dieses mal wieder begeistern konnte, auch wenn ich nicht finde, dass die Stärken von Uncharted bei den Shooter-Elementen liegen. Die sehen allerdings in einer Präsentation besser aus als ein Puzzle, schon klar.

Mit viel (viel!) Action ging es nahtlos weiter: Mad Max konnte mit einer etwa 20 minütigen Demo angespielt werden. Man muss sagen, dass man schon sieht, dass die EntwicklerInnen mit Regisseur George Miller zusammen gearbeitet haben, denn das Setting ist glaubhaft und treu zur Vorlage umgesetzt. Das Spiel soll Lücken zwischen den Filmen schließen und Figuren und Orte, die in Fury Road nur beiläufig erwähnt wurden, Tiefe geben. Ob das gelingt, kann ich nicht sagen, denn ich durfte in der Demo nur ein bisschen Autorfahren. Das sagt natürlich überhaupt nichts über das fertige Spiel aus. Da ich allerdings ein Fan des Franchises bin, hatte ich recht viel Spaß dabei, einen Convoy in der Wüste zu jagen und auszuschalten –von der Optik bin ich schon mal überzeugt. Das Free-Flow Kampfsystem passt mir auch, obwohl es nicht so wirklich zur harten, plumpen Figur des Max Rockatansky passt. Es kann halt nicht jeder Batman sein. Dieses „Nicht-Das-Spiel-Zum-Film“ könnte cool werden – vielleicht ist es aber auch nur für Fans des Franchise interessant.

Genug Action, erstmal widerliche, überteuerte Asia-Nudeln essen. Wuah, Messefraß! Ich streune noch ein wenig durch die Hallen – Blizzard hat viel SchnickSchnack aufgefahren, bei Tearaway Unfolded (das übrigens super ist) stehen lustige Figuren herum – heute kann ich mir das ja noch in Ruhe ansehen. Mir ist nach etwas Gemütlichem und ich begebe mich in die virtuelle Realität mit Pollen. Das First-Person Exploration Game orientiert sich am wundervollen Gone Home und lässt uns herausfinden, was auf einer völlig verlassen scheinenden Raumstation passiert ist. Also wie Tacoma (dazu bald mehr), was ein wenig unglücklich gewählt ist. Trotzdem ist das Setting natürlich gerade für VR fantastisch geeignet und ich stürze mich mit der Oculus Rift in die unendlichen Weiten der Demo, die weder weit, noch unendlich war (sie bestand aus einem Raum, in dem ich die Microwelle benutzen konnte. Kennen die meisten von der eigenen Wohnung). Trotzdem sah sie sehr gut aus und konnte vor allem durch eine sehr angenehme Geschwindigkeit, die der berüchtigten Motion-Sickness entgegenwirkt, überzeugen.

Weiter geht es zu Paladin, die ihr herziges Momonga (iOS und Android) nun auf die WiiU bringen. Das Pinball-Arcade-Adventure mit kleinem Gleithörnchen und großem Panda hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Für ein paar Euro habe ich es direkt auf mein Smartphone geladen und finde es trotz deutlich kleinerem Display und den damit verbundenen Steuer-Problemen, der Flipperfinger deutlich besser ausbalanciert als beispielsweise ein Zen Pinball, das auf meinem kleinen unter-5-Zoll-Handy tatsächlich nicht so gut zu steuern ist. Neben Blood Ironys Shooting Stars mein neues Smartphone-Game mit Suchtgefahr!

Shooting Stars gibt es nämlich, wie ich während der Gamescom herausfand, endlich auch für Android. Nachdem mein iPad sich nämlich vor gut einem Jahr selbst zerstört hat, sitze ich in Bezug auf mobile Games häufiger mal auf dem Trockenen. Dabei ist Shooting Stars ein ganz fantastisches roguelike Arcade-Shmups* – wie früher, Kinder! Herausstellungsmerkmal ist hier definitiv das kreative Design. Keine Ahnung, was sich die Jungs dabei gedacht haben, den Protagonisten auf ein Hoverboard zu stellen und ihm eine Katze, die eine Laserpistole hält, in den Arm zu geben – aber ich habe auch ein Magazin gegründet, das Elektro Uschi heißt, who am I to judge? Der Grad an Wahnsinn, bei dem ich mich wohl fühle wurde hier perfekt gertroffen, daher verbringe ich aktuell vermutlich ein bisschen zu viel Zeit damit, den Daily Run möglichst ansehnlich zu beenden und Alien Gegner verkleidet als Katy Ferry und Kanye East niederzustrecken. Musik, Grafik, Figurendesign sind tippy toppy und das Spiel kostet weniger als ein Bier, also gibt es absolut keinen Grund, warum ihr ab sofort nicht alle gegen mich verlieren solltet.

Apropos Bier – davon gab es anschließend ein/zwei, um den Abend gemütlich mit Freunden ausklingen zu lassen. Morgen steht viel auf dem Programm, daher besser nicht zu spät ins Bett – der erste Besuchertag steht an und wer schon einmal auf der Gamescom war, weiß, was das bedeutet.

Zu Teil 2 >>

www.hellblade.com
www.unchartedthegame.com
www.madmaxgame.com
tearaway.mediamolecule.com
www.pollengame.com
www.paladinstudios.com
www.bloodirony.com/#shootingstars

 

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