Wie viel Lammbock steck in Lommbock?

Was macht man, wenn der Bäcker der Kult-Pizzeria „Lammbock“ kündigt? Richtig, man kritzelt mit Edding aus dem a ein o. Zack, fertig: schlecht laufender Asia-Lieferservice. Dass es sich bei Lommbock, jedoch um eine falsch geschriebene indonesische Insel handelt, ist egal, solange die alte Leuchtreklame über dem Hinterhofladen hängen bleiben kann.

Lommbock läuft ab 23. März in den österreichischen (und deutschen) Kinos und wieder zeigt Regisseur Christian Zübert fast den gesamten Lammbock-Cast. Alle sind bei der Reunion etwa fünfzehn Jahre älter und wem das jetzt gut tut oder nicht, lassen wir hier mal aus, aber ihre Lebenssituationen scheinen sich kaum verändert zu haben: Jenny (Alexandra Neldel) ist zurück in Würzburg und verdreht ihrem Ex Stefan (Lucas Gregorowicz) den Kopf, was den Mann darin wütend macht. Frank (Wotan Wilke Möhring) kämpft immer noch mit enormen Grasmengen gegen Schimpfwortausraster und Schöngeist (Antoine Monot Junior) leistet ihm im alten Wohnwagen Gesellschaft.

Und wenn man zu Beginn des zweiten Teils der legendären Komödie den Laden betritt, fühlt sich die Fortsetzung irgendwie falsch an. Kai (Moritz Bleibtreu) steht allein in der Küche und wärmt, statt Pizzen mit Gourmetbeilage, Asiafood in der Mikrowelle auf. Stefan ist nämlich seinem Traum gefolgt, eine jamaikanische Joint-Bar in Dubai zu eröffnen. Kurz vor seiner Hochzeit mit Yasemin (Melanie Winiger) muss Stefan für seine Geburtsurkunde nochmal zurück nach Würzburg. Hurra, Reunion! Und endlich kann das ganze gewohnte Übel mit Drogenhandel, Lovestorys und dem kleinen Mann in Stefans Kopf seinen Lauf nehmen.

Naja fast wie gewohnt, denn Kai hat seine Liebe (Mavie Hörbiger als Sabine) samt postpubertärem Sohn (Louis Hofmann als Jonathan) gefunden und kifft nicht mehr. Stefan hingegen, will, kann aber in Dubai nicht mehr kiffen. Aber ihr merkt’s schon selbst: Dieses Sequel ohne Gras funktioniert doch nicht. Und so dreht sich die ganze Handlung eigentlich darum, wie man kifft, ohne offiziell zu kiffen und was eigentlich so geht, wenn der Partner nicht in der Stadt ist.

Das erst mal alles beim Alten ist, merkt man besonders, wenn Kai Stefans Verlobte darum anbettelt, dass sein Kumpel doch ein paar Mal mehr bei ihm übernachten darf. Die beiden scheinen sich nie weiterentwickelt zu haben. Und die Chemie der beiden lässt auch im zweiten Film Publikumsherzen schneller schlagen. Vom Wiedersehen an können Witze unter der Gürtellinie, über ihr gemacht werden. Christian Zübert schließt damit nahtlos an den ersten Teil und macht bei riesigen Jointbauten aus schwarz-weißen Zero-Zero-Trips, polnische Sprachverwirrungen. Herrlich auch, wie Zübert südländische Rapper, unsinnige Verschwörungstheorien und die schön dumme, aber zu Kai passende Salafistenangst gerade genug überspitzt um den aktuellen Zeitgeist auf den Punkt zu treffen. Schon der 2001er Vorgänger bewies einen Sinn für die damalige Kultur und abstruse Theorien.

Doch, wenn Kai und Stefan im Lommbock bei ihrem bromantischen Joint sitzen, wird klar, dass für die beiden hier nichts ist, wie es einmal war. Kai mischt genmanipuliertes Gras auf einer Zeitschrift, auf der ehemals die Nippel schöner Frauen zu sehen waren, die heute unter einem Bikini versteckt sind. Das ist gewohnt sexistisch, aber ein Sinnbild für die Lammbock-Light Version, die man zu sehen bekommt. Sexistisch ist auch, dass Frauen nur noch für die Ehe existieren und den kleinen, nie zufriedenen Kopfmenschen herausfordern sollen. Überhaupt fehlt auch die Ungezwungenheit des ersten Teils. Aber so ist das, wenn man älter und verheiratet wird.  Für das Sequel ist das aber auch gut so. Es passt zum Altern, auch wenn der Mensch in den Köpfen des Publikums schon zum Vorschlaghammer greifen möchte.

Man kann sich vorstellen, unter welchem Druck der Regisseur Christian Zübert gestanden haben muss, als er sich doch entschied, 15 Jahre später ein Sequel zu drehen. Denn seitdem bangen viele Fans von wahrnehmungsveränderten Pizzabelägen um ihren Liebling. Dass der nächste Schritt aus großen Fußstapfen jedoch gelingen kann, zeigt unter ähnlichen Bedingungen nicht nur die aktuelle Fortsetzung von Trainspotting, sondern in der Lightversion auch Lommbock.

Denn neben dem Zeitgeist hat Zübert auch die Filmzeit auf der Feinwaage. Gerade als ein nicht auszuhaltend liebevoller Dialog zur Kinoflucht zwingt, schreit Frank (Wotan Wilke Möhring) in gewohnt ruppiger Manier dazwischen, ob es nicht mal weitergehen kann. Schön, dass selbst der Film sich nicht so ernst nimmt. Da kann man sich doch wieder setzen. Viel passiert eh nicht, was aber wegen unglaublich witziger und einiger schön komponierter Einzelszenen gar nicht so oft bemerkt wird. Und bei einem Film diesen Gewichts, sollte man Gold- gegen Feinwaage eintauschen. Es ist Lammbock drin, wo Lommbock draufsteht, wenn auch in geringeren Mengen. Spaß macht’s und Gourmethunger auch. Darum geht es doch.

Unschön wird es, wenn Figuren, die Mortiz Bleibtreu wirklich mal verkörpern kann, schön dumme Witze und Zeitgeist nicht mehr für einen spaßigen Kifferfilm reichen. Lommbock liegt nämlich nicht nur mit unglaublich kitschigen und oberflächlichen Soundtracks daneben, sondern auch der Regisseur, wenn er Tourette-Frank dazu instrumentalisiert, möglichst absurde Szenen zu konstruieren. Klar, zappelnde Psychiatriepatienten und ein blanker Hintern im Kliniknachthemd auf einem Weizenfeld bieten sich da an – Til Schweiger lässt grüßen. Das ist nicht nur dumm, und zwar ganz ohne schön, sondern auch ein Paradebeispiel, welch großen Bogen man mit diesen Darstellungen um Realität und Humor machen kann – oder vielleicht auch muss – um deutsche Kinokassen zu füllen. Dabei hat es doch vorher so schön funktioniert!

Am Ende stehen zwei Typen kiffend auf Toiletten und versenken ihre Köpfe in der Zimmerdecke. Eigentlich ein grandioses Bild für einen Filmanfang. Tja und damit vielleicht auch implizite Ankündigung eines dritten Teils? Wie war das Herr Zübeck? Der erste Lammbock war ein Einzelstück. Und Sie wollten das nicht durch eine blöde Fortsetzung verderben? Tja, den Film kann man schon machen für Geld, mehr braucht es dann aber nun wirklich nicht.

Lommbock
R: Christian Zübert
D: Christian Zübert
Cast: Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Alexandra Neldel, Wotan Wilke Möhring

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.