Planet der Affen: Survival – Der Affenmoses im KZ

Da laust mich doch der Affe! Im Abschluss der Planet der Affen-Trilogie muss Caesar sein Volk vor einem grausamen Militärkommandeur beschützen. Auf einem schneebedeckten Feld bahnt sich der finale Showdown an, der das weitere Schicksal unseres Planeten entscheidet.

„You maniacs! You blew it up!“

Friede. Das ist alles, was Affe Caesar (Andy Serkis) sich für sich und sein Volk gewünscht hatte. Doch nachdem sein ehemaliger Verbündeter Koba (Toby Kebell) im Vorfilm einen Krieg mit den noch lebenden Menschen angezettelt hat, werden die Primaten von einem fundamentalistischen Militärcolonel (Woody Harrelson) gejagt. Frieden ist ein Traum der Vergangenheit, Krieg und Konflikt die einzige Option, die Caesar bleibt. Der titelgebende Krieg (im Original heißt der Film „War for the Planet of the Apes“) passiert hierbei hauptsächlich nur in den Anfangsminuten.
Auf dem Weg zum geheimen Lager seines Feindes treffen Caesar und seine vertrautesten Gefolgsleute ein stummes Mädchen (Amiah Miller) und einen fremden Comic-Relief-Affen namens Bad Ape (Steve Zahn). Gemeinsam kommen sie in der Basis der Menschen an, und erleben dort KZ-ähnliche Zustände.

„Apes! Together! Strong!“ – Revolution wird zur Evolution

Planet der Affen: Survival“ (so der dämliche deutsche Titel, „Evolution“ hätte weitaus besser gepasst und mehr Sinn gegeben) mangelt es keinesfalls an Ambitionen. Von einem Kriegsfilm wandelt er sich über einen Rachewestern zu einem KZ-Drama. In der Zwischenzeit führt er eine Storyline um stumme Menschen ein, die eine Verbindung zu den primitiven Menschen im originalen „Planet der Affen“ aus 1968 herstellen soll. Außerdem wird das bislang beinahe intime Setting der Filme aufgebrochen und eine Affen-Evolution auf globaler Ebene angedeutet.

Schlussendlich kommt mit Woody Harrelsons Figur ein Antagonist auf die Bühne, der wie das Liebeskind von Colonel Kurtz und Lt. Col. Kilgore aus „Apocalypse Now“ wirkt. Der namenlose Colonel ist ein Fundamentalist und quasi eine Manifestation von Caesars eigener dunkler Seite. Wie ein Gottkönig befehligt er über seine Untertanen, segnet diese sogar während seiner morgendlichen Rasur. Er und seine Leute sehen sich als den Anfang und das Ende, daher ist ihr Abzeichen auch das Alpha und Omega-Symbol (übrigens eine wunderbare Referenz auf Rückkehr zum Planet der Affen). Es ist also ein auch ein Glaubenskrieg um die Frage, wem Menschlichkeit eher zusteht: Ziviliserten Primaten oder menschlichen, aber grausamen Soldaten.

Gebt dem Andy Serkis doch bitte endlich einen Oscar

Das Motion-Capturing-Verfahren wurde nach „Revolution“ noch verfeinert, und jetzt sehen die Affen noch photorealistischer aus. Sogar Spiegelungen in Pfützen und Schneekristalle im Fell sehen glasklar aus. Harrelsons Figur macht sogar eine Meta-Bemerkung, dass Caesars Augen „fast menschlich“ wirken würden.

Apropos Caesar: Andy Serkis kehrt erneut in die Rolle zurück, und stellt wieder sein ungemeines Talent zur Schau. Er hat sich die Figur wirklich zu eigen gemacht. Sein Caesar ist nun älter, reifer. Er wird als Moses-Figur inszeniert und gefeiert (mit mehr als nur ein paar eindeutigen Referenzen und Allegorien zur Mythologie). Nachdem Diplomatie gescheitert ist, muss er sich nun in diesem Teil mit seiner eigenen Menschlichkeit und Animalität herumschlagen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Academy ihm diesmal die Möglichkeit zur Nominierung gibt. So wie auch Michael Giacchinos Score, der mal wieder phänomenal ist.

Schatten im Affen-Paradies

So viel Thematisches der Film auch reinbringt, er hat doch ein paar Fehler. So sind mal wieder die Frauenfiguren so gut wie abstinent. Die wenigen weiblichen Figuren dürfen kein Wort sprechen, und werden fast ganz nur auf eine Funktion wie Mutter, Ehefrau oder Freundin reduziert. Von „der Frau im Kühlschrank“ brauch ich gar nicht erst anzufangen. Dabei wäre es doch auch so einfach gewesen, die Figur des Bad Ape weiblich zu machen. Oder während der Sequenz im KZ eine weibliche Identifikationsfigur zu haben. Das ist doch recht Schade, dass ein Franchise, der ursprünglich doch so progressiv war, in der Prequel-/ Reboot-Trilogie so viele Rückschritte in dieser Hinsicht macht.

Des Weiteren geht das Drehbuch sehr oft konventionelle Wege, und gibt Figuren bei Entscheidungen den Easy Way Out. Hier hätte etwas mehr Mut zur Kontroverse gut getan. Ein Problem für die Hauptfigur wird eingeführt, und anstelle daraus einen interessanten Arc zu machen, wird es gleich in der nächsten Szene gelöst.

Ebenso versteht man vieles im Film nur, wenn man zumindest den zweiten Teil gesehen hat (Trotz eines prima visualisierten Anfangtextes, der die Geschichte komprimiert zusammenfasst). Dahingehend ist der Film leider nicht ganz so selbststehend, wie erhofft.

Verdikt: Moses in: Ape-calypse Now Redux

Planet der Affen: Survival“ präsentiert zahlreiche unglaublich ambitionierte Konzepte und Ideen. Diese trösten vor allem über die Schwächen vom Drehbuch und die Regressivität der Frauenfiguren hinweg. Die Performances von Andy Serkis und Woody Harrelson sind fantastisch, und auch Steve Zahn kann als Comic Relief überzeugen. Nicht zu vergessen sind zudem die vielen anderen Motion-Capture-Darsteller, welche den Figuren Leben einhauchen.

Auch wenn er nicht der beste Teil der Trilogie ist, so ist es ein würdiger Abschluss für die Geschichte um Caesar.

 

Planet der Affen: Survival

OT: War for the Planet of the Apes
USA, 2017
20th Century Fox
Action, Sci Fi, Drama

R: Matt Reeves
D: Matt Reeves, Mark Bomback, basierend auf dem Roman von Pierre Boulle
C: Andy Serkis, Woody Harrelson, Amiah Miller, Steve Zahn, Karin Konoval
L: 140 min
FSK: 12
ET: 4. 8. 2017

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