Wonder Woman: Die Frau, die DC rettete

Wonder Woman hat es geschafft, Warners Comic Multiverse noch mal aus der Schlinge zu ziehen. Wir besprechen, was man schon richtig gemacht hat, was man noch besser machen kann und was die Zukunft der Comics auf der großen Leinwand so bereithält.

DC hatte bisher nur wenig Glück mit ihren Verfilmungen unter der Fuchtel von Zack Snyder. Während Man of Steel noch ganz gut ankam, scheiterten Batman v Superman und Suicide Squad phänomenal beim Publikum. Wonder Woman hat es geschafft, Warners Comic Multiverse noch mal aus der Schlinge zu ziehen. Wir besprechen, was man schon richtig gemacht hat, was man noch besser machen kann und was die Zukunft der Comics auf der großen Leinwand so bereithält. 

Und weil wir gerade dabei sind, hier noch mal ein paar kurze Worte von mir zum Film:

Jahrelang war ich enttäuscht, wie selten Frauen respektvoll und gerecht dargestellt werden – egal ob in Superheldenfilmen oder anderswo. Der Grund, warum mir Wonder Woman so gut gefällt ist, weil er gänzlich auf einen Male Gaze verzichtet. Auch Filme, die ganz bewusst starke Frauen in den Vordergrund rücken, kommen meistens nicht umher, sie zu objektifizieren (vgl. alles was Tarantino macht). Patty Jenkins schafft es, knapp bekleidete, heiße, starke Amazonenkriegerinnen als Subjekt darzustellen.

Und nicht nur das, sondern Robin Wright und Connie Nielsen, beide 51, sind ein heimliches Highlight des Films als wunderschöne Walküren – und ja, ich habe ganz bewusst ihr Alter dazu genannt (noch so ein Hollywood-Bullshit). Das scheint also alles doch nicht so schwer zu sein. Ich bin mir sicher, dass kaum ein/e normale/r Konsument/in im Kino sitzen wird, und das alles unbedingt einordnen muss, das ist auch meine Aufgabe als Kritikerin (ich will ja auch noch was zu tun haben). Ich glaube aber, dass viele Frauen etwas im Film sehen, was sie super finden, ohne dass sie unbedingt den Fachbegriff kennen müssen – und ich glaube, dass viele Männer das nicht sehen. Ja, ich weiß, wie das klingt, ziemlich orsch (welcome to my world). Was ich damit meine ist Folgendes: Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, wie mein Geschlecht im Hollywood-Blockbuster dargestellt wird. Wenn plötzlich jemand einen Film macht, der Frauen mal über 2,5 Stunden ins Gesicht schaut, fragt, wie es ihnen geht, was sie so machen und sie dabei nicht zu einem Mann im Frauenkörper mutieren lassen, dann berührt mich das. Übrigens: Wenn ihr mir Filme (in der Budget-Klasse) zeigen könnt, die vergleichbar sind (also nicht: Alien und Terminator), dann bitte korrigiert mich und schickt mir Empfehlungen, desto mehr, desto besser – hier liege ich sehr gern falsch in meiner Einschätzung.

Wonder Woman ist auch kein Film ohne Fehler, versteht mich nicht falsch. Wir haben eine relativ generische Story, Deutsche mit inkonsistentem, merkwürdigem Akzent, die sich nicht entscheiden, ob sie nun deutsch, englisch oder denglisch sprechen und einen viel zu langen Endkampf. Aber er macht eben sehr viel richtig. Diana ist die reinste der Superhelden und -innen, frei von Vorurteilen oder Regeln klassischer Geschlechtermodelle. Die Menschheit lehrt ihr, was sie am Besten kann: Hass und Liebe. Dass sie dafür Steven Trevor braucht, ist wohl dem Markt geschuldet und der dämlichste Schnitzer des Films (mehr im Gespräch dazu). Ich wünsche mir, dass die Erkenntnis aus diesem Film ist, nicht nur mehr Frauen vor die Kamera zu lassen, sondern vor allem hinter die Kamera. Patty Jenkins hat bewiesen, was für eine gute Idee das ist, also habt alle mal Eierstöcke und lasst die Frauen machen. Und vielleicht bezahlt ihr sie auch irgendwann noch ordentlich für ihre Leistung, das wäre sehr nett, Dankeschön!

Wonder Woman
R: Patty Jenkins
D: Allan Heinberg
C: Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, Connie Nielsen, Ewen Bremner
141 Minuten, FSK 12, Österreichstart: 14.06.2017.

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