Gloria

Ein Österreicher, der zuvor noch nie was mit Film zu tun gehabt hat, dreht ein Biopic über eine, hierzulande unbekannte, mexikanische Pop-Queen? Hört sich nach einem gewagten und zum Scheitern verurteilten Unterfangen an. Warum Gloria dennoch zu bestechen weiß, verrät uns das folgende Review.
Quelle: Gloria- Pressefotos
Quelle: Gloria- Pressefotos

Ein Österreicher, der zuvor noch nie was mit Film zu tun gehabt hat, dreht ein Biopic über eine, hierzulande unbekannte, mexikanische Pop-Queen? Hört sich nach einem gewagten und zum Scheitern verurteilten Unterfangen an. Warum Gloria dennoch zu bestechen weiß, verrät uns das folgende Review.

Gloria Trevi (Sofia Espinosa) ist jung, attraktiv, leichtgläubig und unbändig, als sie 1984 für den mexikanischen Star-Musikproduzenten Sergio Andrade (Marco Perez) vortanzt und -singt. Dieser erkennt in ihr sofort einen heißen Rohdiamanten, und nimmt sie, wie viele andere Mädchen zuvor, unter seine Fittiche. Unter seiner Führung wird Gloria zur lasziven Pop-Sensation, die wesentlich mehr Haut zeigt als Madonna oder Britney Spears. Doch sie leidet sehr unter der unerwiderten Liebe zu ihrem Manager, der ihr zudem noch jegliche andere Männerbeziehungen untersagt, während er indessen zahlreiche Affären mit teils noch minderjährigen Mädchen hat. Als Sergio 1999 schlussendlich verhaftet wird, muss auch Gloria ins Gefängnis, hat sie doch all die Jahre seinen Missbrauch miterlebt…

Quelle:Gloria Pressefotos
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Glorifizierte Wildheit

Zuallererst muss gesagt werden, dass es ein Wunder ist, dass es diesen Film überhaupt gibt. Regisseur Christian Keller hat zufällig Glorias Geschichte gehört, und hat beschlossen, den Film selbst zu machen. Zudem hat er alle Teammitglieder selbst kontaktiert und hat 10 Jahre für diesen Film gekämpft (u.a. musste er sich selbst mit der richtigen Trevi anlegen, die für den Rückerhalt der Filmrechte sogar vor Gericht zog). Nun ist Gloria fertig, und hat am vergangen K3-Festival seine Europa-Premiere gefeiert. Wie ist nun dieses Traumprojekt geworden?

Eine Biographie über eine Popsängerin. Natürlich müssen Drogen und Alkohol vorkommen. Meint man. In diesem Fall aber ist die Sucht der Hauptfigur etwas anderes, nämlich die Verliebtheit in einen Mann. Schnell wird deutlich, dass sie schon fast besessen von ihm ist und ihn verehrt. Es war faszinierend zu sehen, dass sie und die anderen Frauen in Sergios Harem alles für ihn tun würden, auch wenn er selbst eigentlich ein Arschloch ist. Espinosa und Perez spielen hervorragend, und sie tragen den Film (vor allem Espinosa ist hervorzuheben, denn sie hat extra tanzen und singen gelernt, um so wie die echte Goria Trevi zu erscheinen). Leider wirkt sich das auch auf die anderen Figuren aus, denn alle anderen Nebenfiguren erscheinen blass oder als Comic-Relief-Karikaturen. Das ist wirklich schade, denn ich hätte gerne gewusst, warum diese Frauen bei Sergio bleiben, auch wenn sie wissen, dass er sie unzählige Male hintergeht.

Auf der anderen Seite muss die solide Kameraarbeit und der Schnitt gelobt werden. Vor allem in den expressionistischen Musikvideo-Szenen, welche in die Narration des Filmes reingeworfen wurden, sind eine willkommene Abwechslung, und basieren zum Teil auf den C-Filmen, welche die echte Trevi im Laufe ihrer Karriere gedreht hatte. Hier wurden gekonnt und innovativ Geschehnisse aus der Wirklichkeit mit der Fiktionalität des Filmes miteinander verbunden. Ebenso schafft es der Film, sowohl Komik (zB Glorias legendärer erster Auftritt vor laufender Kamera) als auch Tragik gut umzusetzen. Bei einer Laufzeit von 2 Stunden passiert recht viel, jedoch muss auch gesagt werden, dass der Film auch ein paar Längen hat. Außerdem ist es selbst mit den ab-und-an aufscheinenden Jahreszahlen schwer mitzukommen, an welchem Punkt in der Karriere von Trevi man sich befindet und wie viel Zeit vergangen ist. Hier ist aber auch wichtig zu sagen, dass der Film in zwei Zeitebenen spielt, und immer wieder hin und her springt zwischen Glorias Karriereanfängen von 1984 an, und ihrer Zeit im Gefängnis. Ein interessanter erzählerischer Reiz besteht darin, dass zweimal dieselbe Szene gezeigt wird, der Zuschauer jedoch beim zweiten Mal mehr Hintergrundinformationen besitzt, und deshalb ein ganz anderes Bild von der Situation bekommt.

Verdikt: „She’s so lucky, she’s a star…“

Gloria ist ein solider Biographie-Film und kann als Debütwerk überzeugen. Die beiden Hauptdarsteller tragen die Geschichte, jedoch wünscht man sich etwas mehr Charakterisierung bei den blassen Nebenfiguren. Überraschend sind ein paar erzählerische Kniffe, die man einem Erstlingsregisseur nicht unbedingt zugetraut hätte.

*Ich konnte leider nur den Trailer ohne Untertitel finden

Gloria
R: Christian Keller
Biopic, Drama, Comedy
Rio Negre Productions, Mex. 2015
L: 126 min
ET: noch nicht fixiert

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